Hochsensibilitätskongress in Schneverdingen

Heute möchte ich vom InspirationDay des 1. Live Hochsensibilitätskongresses am 01.07.2017 in Schneverdingen in der Lüneburger Heide berichten.

Nach langer Autofahrt von Bad Vilbel nach Schneverdingen (ca. 7 Stunden inkl. 2 Pausen) kommen wir endlich in unserem Hotel in Schneverdingen an. Rundherum grün und frische Regenluft: schön!!! Wir, das sind mein Sohn und ich. Wir beziehen unser schönes Hotelzimmer mit Balkon und im London-Style dekoriert: London Bild, London Bordüre, London Nachttische, London Nachttischlampen, London Hängelampen… Ein bißchen viel London für meinen Geschmack… Ich war einfach nur froh, nach der langen Sitzhaltung in die Horizontale gehen zu können.

Später haben wir dann auch schon die erste Kongressteilnehmerin kennengelernt, sie kam aus Ulm angereist. Ach, war ich froh, dass wir „nur“ aus dem Rhein-Main-Gebiet kamen. 😉 Sie kam mit dem Zug und bat um eine Mitfahrgelegenheit. So haben wir uns dann für den nächsten Morgen verabredet.

Das Gelände des Veranstaltungsortes Camp Reinsehlen war sehr weitläufig, so richtig zum Luft holen und ausbreiten. Das Wetter war zwar bestimmt von konstantem seichtem Nieselregen, aber wenn es heiß gewesen wäre, hätten wir wahrscheinlich auch gejammert. Vorbei an grünen Wiesen und einem Lavendellabyrinth sind wir im Veranstaltungsgebäude zur Anmeldung angekommen. Es waren schon einige da, so dass es keinen Stau an der Anmeldetheke gab. Wir hatten genügend Zeit, uns einzustimmen und einzufühlen, bis die Begrüßung der Veranstalterin Kathrin und Stefan Sohst sowie Sabine Sothmann stattfand.

Hier siehst Du den Ablauf des Tages

Die sog. Keynote, einen sehr lebendigen Einstimmungsvortrag, hat Barbara Messer vorgetragen. Sie ist schon selber durch Höhen und Tiefen gegangen und hat aus ihren Erfahrungen 10 Überlebensstrategien für sich herausgearbeitet. Diese will ich hier kurz nennen:

1. Halt einfach an.

2. Iss etwas.

3. Nimm es an, wie es ist.

4. Eins nach dem anderen

5. Du kannst dieses oder jenes tun.

6. Es geht immer weiter.

7. Es könnte noch schlimmer kommen.

8. Sorge für absolute Sicherheit.

9. Habe immer einen Plan B.

10. Es ist egal, was die anderen denken.

Ich habe mir dann aus dem vielfältigen Angebot vier Vorträge/ Workshops ausgesucht, von denen ich kurz berichten möchte.

Zunächst war ich bei Petra Tomschi zum Thema „ADHS und/oder Hochsensibilität“.

Bei beiden liegt eine Aufmerksamkeitsstörung vor, so dass das ADHS-Syndrom mit der Hochsensibilität schnell verwechselt werden kann. ADHS beinhaltet aber vorwiegend eine Einschränkung der Aufmerksamkeitssteuerung und Handlungsplanung und ist von Hyperaktivität, Unruhe, Unaufmerksamkeit, Impulsivität und fehlendem Handlungsaufschub gekennzeichnet. Bei einem hochsensiblen Menschen sind im Unterschied dazu eine Tiefe und Vielschichtigkeit von Gedanken, eine intensive und differenzierte Wahrnehmung des Umfeldes, emotionale Berührbarkeit und feine Antennen für die Gefühle und Stimmungen anderer zu erkennen.

Die zweite Veranstaltung war ein interaktiver Vortrag mit dem Thema „Hochsensible Menschen im Coaching“ von und mit Ulrike Hensel. Sie ist selbst Coach für hochsensible Menschen und Autorin zu diesem Thema. Ihren Vortrag hat sie in 5 Abschnitte unterteilt.

1. sich als HSP entdecken und dann???

Beziehung zu sich selbst (Autonomie)<——>Beziehung zu anderen (Bindung)

Zunächst ist es wichtig, zu wissen, wer ich bin, welche Bedürfnisse ich habe, um sie den anderen gegenüber zu kommunizieren.

2. Wie Stärken besser nutzen, wie mit Schwächen umgehen?

4 Indikatoren für Hochsensible

1)Verarbeitungstiefe

2)Übererregbarkeit

3)Emotionale Intensität

4)Sinnessensibilität

3. Wie sein Leben gestalten, welche Tätigkeiten ausüben?

Berufung leben —> in diversen Tätigkeiten

  • bezahlte Berufstätigkeit
  • Weiterbildungen
  • Hobbys
  • Familie, Freunde, Bekanntenkreis
  • Verein
  • Ehrenamt, politisches Engagement

-> egal was, Hauptsache es wird ein Sinn aus der Tätigkeit gezogen

Eine Gruppenzugehörigkeit ist wichtig!

Durch neue Erfahrungen ins Tun kommen!

Bei einer Berufsausübung ist weniger die Tätigkeit an sich, sondern vielmehr die Arbeitsbedingungen und das soziale Umfeld zu Vorgesetzten und Kollegen wichtig.

4. Wie Übererregung reduzieren?

Hochsensible Menschen haben viele Stärken:

KreativitätWerteorientierungIntuitionFeingefühlEinfühlungsvermögenGefühlstiefe (emotionale Intensität)Denkfähigkeit (Verarbeitungstiefe)Wahrnehmungsbegabung (Sinnessensibilität)

—>Übererregbarkeit

Die optimale Stimulation liegt in dem Bereich, in dem man sich leistungsfähig, kreativ und zufrieden fühlt. Tun wir zu wenig, kommt Langeweile auf. Tun wir zu viel, entsteht Stress und Frust.

Der Wohlfühlbereich, der Bereich mit der optimalen Stimulation, ist bei hochsensiblen Menschen wesentlich niedriger als bei normalsensiblen Menschen.

Hier ist es wichtig, auf die kleinen Signale zu hören, meistens hören wir sie erst, wenn der Körper rebelliert. Dies gelingt mit Achtsamkeit, dem Innehalten und viel Selbstliebe.

5. Wie sich besser abgrenzen?

Selbstfürsorgliche Abgrenzung gegenüber emphatischer Hilfsbereitschaft

Ignoranz/ Isolation gegenüber Erschöpfung/ Selbstaufopferung


Nach der Mittagspause ging es weiter mit Marion Stöckle und ihrem „Mentaltraining für Hochsensible“

1) Sei Dir Deiner Selbst bewußt —> mit Stärken und Schwächen

Ein Zeichen für Selbsterkenntnis: Lächeln, Strahlen

2) Sich selbst annehmen und lieben

*das Einzigartige erkennen: JA zum Leben. JA zu mir.

*Du bist kostbar, einzigartig, wundervoll

3) Den eigenen Platz finden

*Schaffe Dir ein Umfeld, das Dir entspricht

*Du bist nicht falsch, nur am falschen Ort

*Schaffe Dir das Umfeld, das Du brauchst und halte Dich von Energieräubern fern

—>Es ist alles vorhanden, es kommt auf den Fokus an.

4) Die Schwäche zur Stärke machen

*Wo ein Fluch, da ein Segen

*Wandlung (Alchemie)

*Wo Du schwach bist, bist Du stark

5) Mentale Stärke entwickeln für alle Lebenslagen

*Innere Ruhe und Klarheit

*Innere Stärke und Kraft

*Freude am Leben und dem Wissen „ich bin zur richtigen Zeit am richtigen Ort“ —>Vertrauen, Urvertrauen

*An Herausforderungen wachsen

Praktische Tipps

1. Mentale Ausrichtung: Was will ich?

2. Tiefatmung: Zu jeder Zeit bei Dir sein

3. Autosuggestion: Positiver Selbstzuspruch „Ich kann das“

Der letzte Workshop von Dorothee Zapke zum Thema „Sichtbarkeit und authentische Präsenz für hochsensible Menschen“ war mein persönliches Highlight. 🙂

Wir sind hier sehr in die Praxis gegangen und Übungen zu den Themen Mimik, Körpersprache, Stimme zur Erhöhung der Sichtbarkeit gemacht. Insbesondere die Regulation zur Tonhöhe, Blickkontakt und emotionalen Ausdruck haben wir eingeübt. Auch hier ist wieder die tiefe Bauchatmung wichtig, sie erzeugt eine entspannte tiefe Stimme und Emotionen des anderen kommen nicht (so schnell) an mich ran, weil ich ganz bei mir bleibe und dem Gegenüber keine durchlässige (wie dem Brustkorb) Angriffsfläche biete.

Also, alles in allem war es ein wirklich toller Tag mit vielen neuen Impulsen, Gesprächen und Erfahrungen eines Gemeinschaftsgefühls unter Hochsensiblen. Schade, dass ich nicht alle Angebote nutzen konnte.

Das Kinderprogramm war auch echt super: es wurde gebastelt, gemalt, gespielt, es gab Angebote wie Yoga und Achtsamkeit für Kinder und ein Wald- und Naturprogramm. Vielen Dank dafür, sonst hätte ich diesen Kongress nicht genießen können!!!

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